Burnout aus Sicht der Unternehmen

Heile Welt am seidenen Faden

Wie reagieren Unternehmen, wenn Mitarbeiter ausbrennen?

Von Regine Egger 

Burnout – Segen oder Fluch? Für viele Betroffene ist die Krankheit nach einer langen und harten Zeit des Leidens oft ein Wendepunkt in ihrem Leben. Burnout ist als Krankheit mittlerweile anerkannt. Was aber sagen Unternehmen? Wie gehen die Firmen mit der Diagnose Burnout bei Mitarbeitern um? Wie lange muss eine Firma zahlen und wo endet die soziale Verantwortung? Brisant und kritisch wird das Thema von vielen Seiten betrachtet. Businesscoach Regine Egger spricht mit Melanie Kollstedt, Stress- und Burnout-Präventions-Beauftragte der Firma Kayser-Threde, einer Firma der Luft- und Raumfahrttechnik, die das Problem Burnout im Haus konsequent angeht. 

Frau Kollstedt, ist Burnout eine ernstzunehmende Erkrankung, eine Modekrankheit oder ein anderes Wort für einen Nervenzusammenbruch? 

Burnout ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Ein Nervenzusammenbruch kann ein Symptom sein. Betroffen sind Menschen, die für etwas gebrannt haben. Wichtig ist, nicht zu vergleichen. Belastungsgrenzen und Wahrnehmung von Mitarbeitern können sehr unterschiedlich sein. 

Was ist Burnout dann konkret? 

Ich kann es nicht definieren, weil sich Burnout bei jedem unterschiedlich zeigt. 

Wird die Krankheit bei Kayser-Threde thematisiert? 

Das Thema Burnout hat auch bei uns zugenommen. Wir hatten jüngst drei Fälle. Das liegt nicht nur an äußeren Umständen, sondern am offenen Umgang mit dem Thema. Früher waren Menschen einfach krank. Fällt heute jemand öfter aus, können auch Unternehmen besser und schneller reagieren. 

Worin sehen Sie die häufigsten Ursachen für das Burnout-Syndrom? 

Die Ursache liegt im Betroffenen selbst. Gegen äußere Umstände kann man sich wehren. Leidtragende müssen lernen, auch mal nein zu sagen. Wenn ich merke, dass Kommunikationswege nicht stimmen, jemand mit seinem Vorgesetzten nicht reden kann oder sich im Team nicht wohl fühlt, helfen wir, den Knoten zu lösen. 

Was sind erste Anzeichen? 

Wenn ein Mitarbeiter öfter wegen Symptomen wie Grippe, Rückenschmerzen oder Magen-Darm ausfällt, können das erste Anzeichen sein. Als Betriebsrätin habe ich Einblick in die Krankheitsstatistiken. Ich kenne die meisten Mitarbeiter persönlich und suche das persönliche Gespräch. 

Was raten Sie Betroffenen? 

Ich biete den Mitarbeitern an, während der Krankschreibung mit uns in Kontakt zu bleiben. Das haben bisher alle Betroffenen dankbar angenommen. Sie bekommen Beratungsgespräche von der Firma finanziert. Hier beziehen wir Coaches, Arbeits- oder Organisationspsychologen ein. Wichtig ist, dass alles Besprochene unter vier Ohren bleibt. Auch ich habe hier Schweigepflicht. 

Die Dauer der Krankheit und des Arbeitsausfalls sind schwer vorauszusehen. Wie ist der Mitarbeiter finanziell abgesichert? 

Zunächst springt die Krankenkasse ein. Die Mitarbeiter werden danach langsam wieder eingegliedert und häufig auch anders eingesetzt. Bislang wurden die Jobs jeweils frei gehalten. 

Nach eineinhalb Jahren stellen die Krankenkassen ihre Zahlungen ein. Was passiert, wenn die Kasse nicht mehr bezahlt? 

Das ist eine gute Frage. Leider gibt es nicht viele Möglichkeiten. Die Regelungen über die Kasse oder über die Arbeitsagentur sind zeitlich begrenzt. Wir konnten bislang relativ schnell wieder eingliedern und Positionen innerhalb des Unternehmens anders besetzen. Natürlich ist meine Stelle für die Mitarbeiter geschaffen worden, dennoch muss auch die Unternehmerseite in Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und Planbarkeit beachtet werden. Hier gibt es viele gesetzliche Lücken. Tatsächlich kann diese Frage zurzeit niemand befriedigend beantworten. 

Was bedeutet dies für Mitarbeiter mit befristeten Stellen - fallen sie aus dem System? 

Mitarbeiter auf befristeten Stellen haben tatsächlich schlechte Karten. Ich bin froh, dass wir bislang keinen solchen Fall hatten. Als Betriebsrätin muss ich über befristete Arbeitsverträge und Krankheitsausfall nachdenken. 

Den Unternehmen kostet der Mitarbeiterausfall auch Geld. Wie lange ist ein Unternehmen verpflichtet den Arbeitsplatz freizuhalten? 

Letztendlich stellt sich die Frage, wie lange muss es ein Unternehmen ertragen, einen nicht planbaren Mitarbeiter mitzuschleppen. Hier werden Verantwortlichkeiten oft hin und her geschoben. Meist brauchen beide Seiten Rechtsbeistand durch einen Anwalt. 

Damit es gar nicht erst zu Burnout-Fällen im Unternehmen kommt, setzt Kayser Threde auf Prävention. Wie sieht diese konkret aus? 

Bei Kayser-Threde sind zwei Personen mit der Burnout-Prävention betraut. Bis zu zehn Stunden pro Woche widmen meine Kollegin und ich uns diesem Thema. Aktuell arbeiten wir an einem strategischen Konzept. Wir führen beispielsweise Sensibilisierungsworkshops für die Führungsebene und für Team- und Gruppenleiter durch. In unserem ersten Workshop sprach ein betroffener Mitarbeiter sehr offen über die eigene Erfahrung mit Burnout. Das wurde von allen positiv angenommen. Unsere Kommunikationsstruktur ist tatsächlich sehr offen. 

Ihr Schlüssel für eine schnelle Erkennung von Burnout ist die offene Kommunikationsstruktur? 

Richtig, die offene Kommunikation ist der Schlüssel – daran arbeiten wir als Unternehmen. Auch eine professionelle Anlaufstelle und absolute Diskretion sind hierbei wichtig. Betroffenen kann ich nur raten, so früh wie möglich das Gespräch zu suchen. Niemand kann erwarten, dass ein anderer es erkennt. 
Fragen? Kontaktieren Sie mich gerne über Mein Status Skype oder hinterlassen Sie mir einfach eine Nachricht.


Egger Konzept